Fragen an Robert Schad:
Mehli:
Hallo Herr Schad. Sie sind in Ravensburg geboren und leben jetzt in Frankreich. Hat es Ihnen denn in Deutschland nicht mehr gefallen? Wollen Sie für immer in Frankreich leben?
Antwort Robert Schad:
Deutschland ist ein schönes Land und Ravensburg eine schöne Stadt. Aber, wie es der Zufall wollte, habe ich hier in Frankreich den Platz gefunden, der mindestens genauso schön ist und an dem ich das verwirklichen konnte, was ich schon lange vorhatte: Ein großes Haus zu haben mit viel Land, auf dem ich meinen eigenen Skulpturenpark und ein großes Atelier bauen kann, was ich für die Produktion meiner Skulpturen brauche. Außerdem spreche ich recht gut Französisch, da ist es doch egal, wo man wohnt.
Mehli:
Wegen Ihrer Kunst sind Sie viel unterwegs. Immer, wenn ich in den letzten Monaten mit Ihnen reden wollte, waren Sie gerade wieder in einem anderen Land. Macht das Spaß oder ist das Herumreisen auch anstrengend?
Antwort Robert Schad:
Es ist sicherlich anstrengend, macht aber auch sehr viel Spaß, weil ich auf Reisen immer wieder neue Leute kennenlerne und neue Erfahrungen machen kann, die mich in meiner Arbeit weiterbringen. Ohne das Reisen könnte ich meine Arbeit nicht bei Menschen auch anderer Länder bekanntmachen, die meine Arbeit bislang nicht gekannt haben.
Mehli:
Und wenn Sie in Frankreich sind, dann wartet sicher Ihr Atelier auf Sie. Ich habe gehört, dass Sie ein riesiges Atelier haben. Wie groß ist es denn wirklich? Sind Sie dort alleine oder haben Sie auch jemanden, der Ihnen bei Ihren großen Arbeiten hilft?
Antwort Robert Schad:
Mein Atelier ist circa 500 Quadratmeter groß und circa 7 Meter hoch, sodass ich auch große Skulpturen bei mir machen kann. Dabei helfen mir von Zeit zu Zeit Hilfsschweisser, da die Arbeit dann schneller vorankommt und manche Arbeiten, vor allem beim Zusammensetzen der Skulptur, nur zu zweit gemacht werden können, da sie alleine zu kompliziert und zu gefährlich sind.
Mehli:
Wahrscheinlich haben Sie in Ravensburg auch noch Verwandte, die Sie manchmal besuchen. Wenn Sie hier sind, gehen Sie dann auch zu Ihrem Brunnen?
Antwort Robert Schad:
Ich bin in Ravensburg geboren. Meine Mutter wohnt heute in Berg. Fast jedesmal, wenn ich sie besuche, besuche ich auch meinen Brunnen, der ja ein Stück von mir ist, und schaue nach, wie's ihm geht. Das ist jedesmal ein schönes Gefühl.
Mehli:
Wegen Ihrer Brunnen-Idee gab es damals in Ravensburg ganz schön viel Ärger. Haben Sie das eigentlich alles verstanden? Ich finde es komisch, dass Erwachsene sich über Kunst so aufregen können. Manchmal denke ich, die haben irgendwie Angst davor. Kann das sein?
Antwort Robert Schad:
Man hat meistens davor Angst, was man nicht kennt. Und wenn man nicht neugierig ist, das Neue kennenzulernen, vergeht diese Angst nie. Außerdem tun manche so, als ob sie alles besser wüssten. Bei Kindern ist das anders: Kinder waren übrigens die ersten, die meinen Brunnen akzeptiert haben. Ich erinnere mich, als wir zum ersten Mal die Wasserläufe eingeschaltet hatten - es war brütend heiß - sind die ersten Kinder jauchzend vor Glück ins Wasser gestiegen.
Ich kann verstehen, dass manche Leute kritisch waren, als ich den Brunnen in Ravensburg aufgestellt habe. Jedoch die Art und Weise, wie ich persönlich angegriffen und beleidigt worden bin, ohne dass diese Leute je ein Wort mit mir geredet haben, kann ich bis heute nicht verstehen. Ich bin froh, dass auch frühere Kritiker sich zum Teil heute für den Brunnen aussprechen und sagen, dass er ein wichtiger Teil Ravensburgs geworden ist. Dass die Stadt und namhafte Firmen sowie das Ravensburger Jazzfestival mit meinem Brunnen werben, ist ein gutes Zeichen.
Mehli:
Mögen Sie Ihren Brunnen in Ravensburg, so wie er ist, trotzdem oder denken Sie noch oft darüber nach, dass er eigentlich ganz anders aussehen sollte.
Antwort Robert Schad:
Er ist in der Form und an dem Platz genau richtig. Ich könnte ihn mir dort nicht anders vorstellen.
Mehli:
Als Künstler mögen Sie Menschen und ihre Bewegung. Und weil Ihnen die Bewegung wichtiger ist als der Körper, nehmen Sie Vierkantstahl und zeichnen damit die Bewegungen der Menschen nach. Habe ich das richtig verstanden?
Antwort Robert Schad:
Ich mag jede Form von Bewegung. Bewegung bedeutet Leben. Nun ist Stahl ja das Material aus dem Maschinen, Waffen und Hallen gebaut werden. In meiner Arbeit versuche ich, dem Stahl die Kälte und Härte zu nehmen, indem ich ihn so zusammenbaue, dass er an was Körperliches oder Pflanzliches erinnert. Manche Skulpturen, wie auch mein Ravensburger Brunnen sehen so aus, als wäre Zeit stehengeblieben, als wäre ihre Bewegung angehalten. Die menschliche Bewegung nachzeichnen, das tue ich jedoch nicht. Viel eher kann der Mensch meinen Stahlbewegungen folgen, sie nachtanzen. Mir geht es hauptsächlich darum, verschiedene Formen von Lebenslinien zu finden, die manchmal sehr ruhig und manchmal sehr heftig sein können - eben wie das Leben selber.
Mehli:
Kann ich bei Ihren Brunnenfiguren auf dem Marienplatz denn erkennen, ob es sich um Bewegungen von alten oder jungen Menschen handelt, ob es Frauen sind oder Männer?
Antwort Robert Schad:
Ich stelle weder alte noch junge Menschen dar, noch Frauen oder Männer. Wenn man schon Menschen in meinem Brunnen erkennen will, dann sind es eher die bauchigen, die behäbig durchs Wasserbecken stapfen und denjenigen begegnen, die den Kopf gerne über andere erheben und ihren ‚Geist' in Form von Wasser auf ihre fülligen Kumpanen versprühen wollen. Dies ist aber nur eine Möglichkeit von vielen, den Brunnen zu verstehen.
Mehli:
Mit tonnenschwerem Stahl zu zeichnen, ist ganz schön mutig. Als Sie mit dem Schweißen angefangen haben, hatten Sie doch sicher noch ein bisschen Angst vor diesen riesigen Stangen. Wenn da eine umfällt..., oh weh.
Antwort Robert Schad:
Am Anfang war mir schon mulmig. Das Material bedeutet eine Herausforderung. Mittlerweile habe ich jedoch genug Erfahrung, um auch sehr große Skulpturen machen zu können. Skulpturen für öffentliche Plätze, wie die beispielsweise in Ravensburg und Weingarten müssen von einem Ingenieur wegen ihrer Standsicherheit geprüft werden.
Mehli:
Wenn Sie Ihr Material geliefert bekommen, fährt da ein Kran zu Ihnen oder ein riesiger Kipper oder wie funktioniert das? Ich stelle mir das vor wie auf einer Baustelle. Und wie kommt eine Skulptur aus Ihrem Atelier in Frankreich zum Beispiel auf den Ravensburger Marienplatz oder nach Moskau oder sonst wohin? Das müssen Sie mir unbedingt verraten.
Antwort Robert Schad:
Wenn ich eine Materiallieferung bekomme, das sind meist mehrere Tonnen, dann wird diese in der Regel mit einem 15 Meter langen LKW geliefert, der ins Atelier hineinfahren kann. Dort wird das Material dann mit meinem 5-Tonnen-Kran entladen. Fertige Skulpturen werden mit LKWs derselben Größe oder eventuell per Schiff entweder am Stück, oder wenn sie für den LKW zu groß sind, in mehreren Teilen zur Baustelle transportiert und dort mit manchmal riesigen Kränen aufgestellt. Mehrteilige Skulpturen müssen dann vor Ort zusammengeschweißt werden.
Mehli:
Wissen sie denn, ob die Leute in Ravensburg, die Ihren Brunnen blöd fanden, ihn immer noch nicht mögen?
Antwort Robert Schad:
Ich kann nichts dafür, wenn sie ihn immer noch blöd finden. Sollen sie's mir sagen, dann kann ich ihnen ein paar Tipps geben, wie sie ihn verstehen können. Den meisten jedoch, mit denen ich gesprochen habe, gefällt er und sie finden ihn gut.
Mehli:
Also ich kann Ihnen nur sagen, wir Kinder lieben Ihren Brunnen. Im Winter kann man in der leeren Schale rumlaufen, darf aber nicht über die großen Schrauben stolpern. Am tollsten finde ich den "Schadbrunnen" (so heißt er bei uns, und ich Dussel hab immer gemeint, der heißt so, weil irgendwas schade ist...) aber im Sommer, wenn die Männer von der Stadt ihn frisch gereinigt haben. Und am spannendsten finde ich ihn, wenn morgens das erste Mal Wasser aus den hohen "Köpfen" prasselt, dann erschreck' ich jedes Mal!
Antwort Robert Schad:
Das freut mich. Kinder sind Erwachsenen doch in so manchem voraus...Der ‚Schad-Brunnen' heißt übrigens ‚CAIDE', und jetzt könnt Ihr raten, was das heißt. Ich verrat's nicht!
Mehli:
Wenn Sie wieder mal in Ravensburg sind, dann könnten wir uns ja treffen. Ich weiß schon wo: Samstagmorgen am Schadbrunnen so gegen halb zehn! O.K..?