Meret Eichler

Mehli erzählt:
Ich bin nach Urbanstobel gefahren. Wolfgang Brokmeier, der Mann, mit dem Meret Eichler bis zu ihrem Tod zusammen lebte, hat mir alles gezeigt. Dann saß ich im Atelier der Künstlerin, ihr letztes Bild hatte Meret Eichler nicht mehr ganz zu Ende gemalt. 1998 ist sie gestorben. Seither ist alles unverändert. Die Spinnen haben Netze um die vielen Pinsel gesponnen, die Cassetten neben dem Cassettenrecorder sind eingestaubt. Es liegen kleine Tierschädel rum, die Meret Eichler irgendwo im Wald hinterm Haus gefunden hat. Briefe stapeln sich, sie werden wohl nie mehr beantwortet werden....

Ich setzte mich also auf eines der beiden Sofas im Atelier, schaute nach draußen in den wunderschönen großen Garten und fing an zu träumen, wie alles einmal anfing.

Meret kam 1928 in Ravensburg zur Welt. Sie hatte schon zwei große Brüder, ihre Mutter war eine begabte Malerin, ihr Vater Architekt. Ein sehr bekannter sogar, denn er baute ab 1925 Deutschlands berühmteste Autorennstrecke: den Nürburgring! Außerdem war er Flieger, Bergsteiger, einer der ersten Skifahrer und ein begeisterter Motorrad- und Autofahrer. Weil Merets Mutter sich ein Haus wünschte, in das den ganzen Tag die Sonne schien, baute ihr Mann ein "rundes Haus" auf einen Hügel. (Wenn du die Ravensburger Innenstadt in Richtung Weststadt verlässt, siehst du immer noch rechts am Hang das runde Haus von Gustav Eichler). Weil Merets Mutter immer malte, setzte sich das kleine Mädchen in den Garten und malte eben auch. Merets Mutter starb früh und so zog die Familie nach Berlin. Alle Bilder der Mutter hatten sie nach Berlin mitgenommen, doch dann kam der Zweite Weltkrieg, das Berliner Haus und alle Bilder wurden zerstört. Meret war sehr traurig, sie war nun kein Kind mehr.

Sie kam in den Ferien oft nach Ravensburg und an den Bodensee. Dort lebte in Lindau eine Tante, bei der Meret wohnen konnte, um 1946 die Schule zu beenden. Am Bodensee gab es schon 1945, also kurz nach dem Ende des Krieges, eine Ausstellung mit moderner Kunst. Meret schnappte sich ihr Fahrrad, radelte nach Überlingen und als sie zurückkam, wusste sie, dass sie Malerin werden wolle. Das lag an einem Bild des Malers Karl Schmitt-Rottluff, von dem sie überwältigt war.

Weil Schmitt-Rottluff Professor in Berlin war, gab es für Meret kein Halten mehr: Sie stopfte einen Rucksack voll mit ihren Bildern, und mit 19 Jahren schlug sie sich alleine nach Berlin durch! Das war kurz nach dem Krieg schwierig und auch gefährlich, Meret musste besetzte Gebiete durchqueren. Aber nun ging alles sehr schnell. Meret durfte an der Akademie Kunst studieren, später wurde sie Meisterschülerin beim verehrten Schmitt-Rottluff.

Meret war so begabt, dass sie ein Jahr in Paris weiter studieren durfte. Und sobald sie frei hatte, war sie unterwegs. 1951 fuhr sie sechs Wochen lang mit einer Kollegin mit dem Fahrrad quer durch Frankreich. Zwei Jahre später hatte sie wieder Lust auf eine Reise, diesmal aber alleine. Sie stieg auf ihr Motorrad "Quick", schnallte Zelt, Kochgeschirr und Malzeug auf den Gepäckträger und fuhr drei Monate lang durch Italien! Meret kehrte zwar wieder nach Berlin zurück, aber am wichtigsten waren ihr die Reisen durch halb Europa: andere Landschaften, andere Städte, andere Menschen.

Das Motorrad "Quick" war fast ihr bester Freund geworden. Die beiden fuhren noch oft durch Frankreich, auch durch Spanien, Portugal und Dalmatien.

Doch weil sie auf dem Motorrad kaum Kunst transportieren konnte, kaufte sich Meret ein Auto: ihren VW-Käfer "Adrian". Mit Adrian fuhr sie sogar bis nach Griechenland. Doch wenn sie nach Berlin zurückkam, wurde das Überleben immer schwieriger. Meret hatte kaum Geld für Essen, für Farben, für Leinwand und für die Miete.

Merets Vater wohnte wieder in Ravensburg und wollte seiner Tochter helfen. Sie zögerte eine Weile, doch dann verließ sie Berlin. Meret zog in das einsame Häuschen hier in Urbanstobel. Ihr Vater hatte ihr geholfen, ein Atelier an das Haus zu bauen, damit Meret Platz zum Malen hat. Und so entstand über viele Jahre ein Haus mit einem Atelier und einem traumhaften Garten. Und Meret liebte diesen Ort. Als Mädchen wollte sie übrigens Förster werden! Sie musste nicht mehr in ferne Städte. Meret hatte alles, was ihr wichtig war, gespeichert. Die italienischen Wandmalerein, die Düfte in Frankreich, die Häuser in Griechenland. Alles andere fand sie in Urbanstobel: Landschaft, Stille, Blumen!

Und wenn sie sich zum Beispiel ärgerte, dass in ihrer Umgebung Bäume gefällt wurden oder dass durch Ravensburg zu viele Autos fuhren, dann malte sie auch das: Protestbilder!

Meret stand immer morgens um 7 Uhr auf, frühstückte ihr Müsli und ging ins Atelier. Zum Reden hatte sie erst nach dem Mittagessen Lust. Überhaupt hörte sie lieber zu als selbst zu reden. Und sehr ordentlich war sie auch.

Zum Glück hatte Meret hier Menschen gefunden, die zu ihr hielten und die ihre Kunst mochten. Sie hatte Schüler und konnte ihre Kunst verkaufen. Sie durfte Häuser bemalen und begann mit ihrer Cousine zu töpfern. Meret war zufrieden, sie konnte immer als Künstlerin leben und starb auch als Künstlerin.

Und wo gab es schon mal einen Justitia-Brunnen?

Nicht allzu weit entfernt von der Justitia-Nische: direkt hinter dem Ravensburger Rathaus! Heute siehst du dort einen Brunnen mit einer Marktfrau aus dem Jahr 1939. Und an derselben Stelle stand seit dem 16. Jahrhundert, also mehrere Hundert Jahre lang, ein Justitia-Brunnen mit einer weiblichen Justitia-Figur. Der Ort ist einleuchtend, denn früher wurde im Gerichtssaal des Rathauses Recht gesprochen!


Was sieht die Berufskleidung der Richter aus?

Die Richter am Landgericht tragen natürlich keine langen gestreiften Röcke, sondern eine "Robe". Die Robe ist schwarz und ganz einfach, ohne irgendwelche Schnörkel oder farbige Nähte. Du erkennst an der Robe, dass es sich bei der Person um eine Richterin oder einen Richter handelt. Außerdem kannst du die Kleidung darunter nicht sehen, denn nichts soll beim Prozess von der Gerechtigkeit ablenken, auch nicht die Kleidung.

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